Texte

Am Boden Text zur Ausstellung


Am Boden des Matjö entfaltet sich eine in Fliesen geglie­derte Skulptur. Sie greift Muster, Linien und Struk­turen des öffent­li­chen Raums auf und beschreibt diesen als ein System von Zeichen, das Bewegungen ordnet und lenkt. Während Gebäude Abstand zuein­ander halten, treffen auf dem Boden die verschie­denen Sphären der Stadt unmit­telbar aufein­ander – Reprä­sen­ta­ti­ons­orte gehen über in Verkehrs­flä­chen, öffent­liche, in private Räume, gepflegte in vernach­läs­sigte Zwischenzonen.

Der städti­sche Boden bildet ein intuitiv lesbares Geflecht, das Geschwin­dig­keiten, Verkehrs­mittel und Verhal­tens­weisen regelt und vonein­ander abgrenzt. Über die Fliesen verteilt sich ein Relief das zwischen großmaß­stäb­li­chen städte­bau­li­chen Struk­turen und Details des urbanen Raums springt.

Ergänzt wird die Skulptur durch zwei Videos: Eine Fahrt mit dem Fahrrad durch die Stadt, einmal mit dem Blick auf den Boden, einmal mit der Kamera senkrecht nach oben gerichtet. Ereig­nisse außer­halb des Bildfelds deuten sich in Geräu­schen, Spiege­lungen und Fragmenten von Archi­tektur und Infra­struktur an. Durch die Verschie­bung der Perspek­tive rücken die Ränder des Stadt­raums ins Zentrum der Wahrneh­mung und öffnen den Blick für ihre Beschaffenheit.

Ulf Neumann

Text zur Ausstellung: In 7 rooms, Offenburg

„Agil und einfallsreich überspringt Ulf Neumanns plastisches Modellieren jede materielle Gebundenheit. Zwar erscheinen seine Plastiken wie aus massivem Beton, mit ihren delikat gearbeiteten Oberflächen umso mehr. Ein weiterer Blick auf die filigranen Gestelle, die sie tragen, auf ihre wagemutig ausbalancierten Auftürmungen oder ihr ungehindertes Schweben auf der Wand verrät jedoch, dass es sich um ›Körpertäuschungen‹ handelt. Es ist allerdings nicht diese vordergründige Täuschung, die Neumann interessiert. Ihn beschäftigt ihr bildhafter Charakter, materiell wie ideell. In diesem Sinn handelt es sich um umfangreich recherchierte Material und Denkbilder. Seine Plastiken mögen wie Versatzstücke einer vertrauten, doch unbekannten Architektur, wie Relikte oder Spolien kannelierter Wandstücke und Maßwerk erscheinen, es sind hingegen aber vollkommen freie Materialerprobungen und Neuformulierungen: Zeugen einer erfundenen Vergangenheit und somit Ausblicke auf eine andere, imaginierte Zukunft.“

Hannah Eckstein & Christian Malycha